Im Sommer lockt Bewegung im Freien. Doch gerade an heißen Tagen gilt es, achtsam zu sein. Denn Hitzewellen belasten den menschlichen Körper stärker, als viele vermuten.

Die natürliche Körpertemperatur liegt bei rund 37°C und genau diese Temperatur versucht unser Körper zu halten beziehungsweise immer wieder herzustellen. Ab etwa 25 °C Außentemperatur aktiviert der Körper zusätzliche Kühlmechanismen. Ab 30 °C – an sogenannten Hitzetagen – steigt der Energieaufwand deutlich.

Die Blutgefäße erweitern sich, damit warmes Blut an der Hautoberfläche Wärme abgeben kann. Gleichzeitig produziert der Körper mehr Schweiß, dessen Verdunstung für Abkühlung sorgt. Dafür muss das Herz seine Pumpleistung erhöhen. Hohe Luftfeuchtigkeit und direkte Sonneneinstrahlung erschweren die Kühlung zusätzlich.

Das passiert bei Sport in der Hitze

Bei körperlicher Aktivität erzeugt die Muskulatur zusätzliche Wärme. Besonders riskant sind intensive oder lang andauernde Sportarten. Steigt die Körpertemperatur weiter an, können Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel auftreten. Ab etwa 40°C droht ein Hitzschlag mit Benommenheit, Gang- und Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Ein Hitzschlag ist lebensbedrohlich und erfordert sofortige notfallmedizinische Hilfe!

Hitze beeinträchtigt außerdem die Konzentration und Reaktionsfähigkeit. Dadurch steigt die Gefahr von Fehleinschätzungen, Stürzen und anderen Unfällen. Flüssigkeitsmangel beschleunigt die Entstehung hitzebedingter Erkrankungen.

Wichtige Präventionsmaßnahmen sind:

  • ausreichend und regelmäßig trinken
  • Bewegung möglichst auf die Morgen- oder Abendstunden verlegen
  • Intensität und Dauer der Aktivität reduzieren
  • leichte, angepasste Kleidung und Kopfbedeckung tragen
  • Sonnencreme verwenden und direkte Sonne meiden
  • auf eine sportartspezifisch passende Ernährung achten

Vorsicht beim Sprung ins kühle Nass

Auch längeres Sonnenbaden kann die Körpertemperatur deutlich erhöhen. Ein Sprung mit dem überhitzten Körper in kaltes Wasser birgt dann ein besonderes Risiko: Durch den plötzlichen Temperaturunterschied kann ein Kälteschock ausgelöst werden. Bereits bei mehr als 30°C Außentemperatur können Wassertemperaturen um 18°C gefährlich sein.

Das passiert mit unserem Körper: Die Blutgefäße verengen sich schlagartig, während der Körper gleichzeitig noch mit der Hitzeregulation beschäftigt ist. Diese gegensätzlichen Reaktionen bedeuten enormen Stress für den Kreislauf – vergleichbar mit gleichzeitigem Gasgeben und Bremsen beim Auto. Mögliche Folgen sind Kreislaufkollaps, Bewusstlosigkeit, Atemnot und unkontrolliertes Luftschnappen. Dadurch steigt die Gefahr, Wasser einzuatmen und zu ertrinken. Besonders gefährdet sind Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sicherer ist es, langsam ins Wasser zu gehen und den Körper schrittweise abzukühlen.

Am besten alkoholfrei

Alkohol erhöht die Harnausscheidung und fördert damit Flüssigkeitsmangel. Gleichzeitig erweitert er die Blutgefäße, kann den Blutdruck senken und beeinträchtigt die Wahrnehmung. Gefahren werden leichter unterschätzt und körperliche Warnsignale später erkannt. Unter Alkoholeinfluss kann ein Kälteschock bereits bei Wassertemperaturen um 20°C auftreten.

Wissen schützt

Hitzewellen werden uns auch künftig begleiten. Umso wichtiger sind Wissen, vernünftiges Verhalten und wirksame Präventionsmaßnahmen. Wer ausreichend trinkt, Aktivitäten an die Temperaturen anpasst, zu alkoholfreien Getränken greift und sich vor dem Baden langsam abkühlt, kann viele gesundheitliche Risiken deutlich reduzieren. Ebenso notwendig ist eine breit angelegte Aufklärung, um schwere und mitunter tödliche Folgen von Hitze zu verhindern.

Dieser Beitrag basiert auf einem Fachartikel von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger, Leiter des Instituts für Sportmedizin & medizinische Leistungsdiagnostik (ISAG) der tirol kliniken im Landeskrankenhaus Hall  und wurde für die vorliegende Veröffentlichung redaktionell gekürzt und bearbeitet.